Überlegst du hin und her, was du beruflich machen willst? Die Dinge müssen gar nicht immer so kompliziert sein. Das zeigt uns David Völzmann. Er ist 18, wohnt in Otterndorf bei Cuxhaven und ist in der Ausbildung zum Tischler. In seiner Freizeit spielt er Rollstuhlbasketball und fährt mit seinem Handbike beim Marathon mit.

Die Morgensonne scheint in die Werkstatt. Als die Tür aufgeht, weht einem sofort dieser angenehme Geruch in die Nase: von frischem Holz, Leim und Kunststoff. Auf der Werkbank liegt ein Werkstück, das man schon erkennen kann. Jetzt geht es um die kleinen Feinheiten. Die Kiste wird heute fertig. Das ist gut.

Tipp

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David ist ein Handwerkertyp

Hobeln, Sägen, Schleifen, Zusammennageln. David machte das schon als Kind sehr viel Spaß. Weil sein Vater auch Tischler ist, hat er schon früh probiert, mitzuwerkeln. Und dabei hat er festgestellt, dass er auch ein “Handwerkertyp” ist: “Dann sollte man auf jeden Fall mal ein Praktikum im Betrieb machen. Frühes Aufstehen, die körperliche Arbeit – wenn einem das wirklich Spaß macht, dann ist man dafür echt top.”

So machte es David. Er begann mit einem Praktikum in seinem jetzigen Ausbildungsbetrieb. Dabei konnte er auszuprobieren, ob er die körperliche Belastung mit seinen Beinen gut aushält.

Zwischendurch zweifelte David auch mal

Die Umgebung der Werkstatt ist für ihn kein Problem: Die Werkbänke sind höhenverstellbar, es gibt keine großen Schwellen und Stufen, und mit dem Rollstuhl kommt er überall hin. Mit den Kollegen und seinem Ausbilder versteht er sich prima: “Ein guter Chef ist so wie mein Chef ist”, sagt er, “nett und freundlich, der einem neue Sachen zeigt.”

 

Dennoch gab es eine Zeit, wo er zweifelte, ob es klappen würde, Tischler zu werden. Seine Beine taten immer sehr weh und er war sich nicht sicher, wie es weitergehen soll. Nach einer Operation wurde es dann aber besser. Einer der schönsten Momente in Davids Leben war, als er im Krankenhaus aufwachte, und plötzlich keine Schmerzen mehr hatte. Das war ein großes Glück.

Rollstuhl, Schulpausen und Barrieren

Als er neun war, begann er in den großen Pausen in der Schule auf den Rollstuhl umzusteigen, weil es für ihn nicht mehr möglich war, so lange auf den Beinen zu sein. Blöde Sprüche von seinen Freunden oder Klassenkameraden bekam David deswegen nicht zu hören. Der Rollstuhl wurde einfach mit ins Spiel eingebaut. Nervig war nur, dass man nicht wie die anderen schnell mal die Stufen hochlaufen konnte, meint David.  

Brief von David Völzmann an sein "jüngeres Ich"

Auf dem Bild links: Was David Völzmann aus heutiger Sicht seinem „jüngeren Ich“ als Rat mit auf den Weg geben würde

Foto: Jörg Farys | Gesellschaftsbilder.de
Grafik: Adina Hermann | Sozialhelden e.V.

Dass er als Rollstuhlfahrer Barrieren in seiner Umgebung kennt, wird ihn auch später in seinem Beruf beeinflussen. Zum Beispiel würde er als Tischler auf Barrierefreiheit achten, Möbel anders planen, die Küchenanrichten tiefer bauen, die Hängeschränke höhenverstellbar, die Türen breiter und ohne Schwellen machen.

David spielt in Hamburg Rollstuhl-Basketball

David hat keinen Grund, schlechte Laune zu haben. Er sagt: “Das dauert bis ich wütend bin. Bis jetzt bin ich noch nie so richtig ausgeflippt.” Das liegt wahrscheinlich einfach daran, dass er ziemlich zufrieden ist: mit seiner Arbeit, seinen Freunden, seinem Sport.

2009 hat David in der Reha mit dem Rollstuhlbasketball angefangen. Für das Training fahren ihn seine Eltern zweimal in der Woche die lange Strecke nach Hamburg. In dem Team gibt es Mitspielerinnen und Mitspieler mit und ohne Behinderung. Ihm gefällt, dass die Behinderung keine große Rolle spielt. “Wir sind fröhlich, wir lachen zusammen, wir machen Scherze”, erzählt David. Aber gleichzeitig geht es auch darum, hart zu trainieren und besser zu werden: “Unser Training gestalten wir natürlich auch immer so, dass wir fleißig dabei sind.”

David geht es nicht ums Siegen

Zusätzlich zum Basketball fährt David auch Handbike. In Otterndorf findet jedes Jahr der Küstenmarathon statt. Vor einigen Jahren überzeugte David die Organisatoren, dass auch Menschen mit Rollstuhl daran teilnehmen können. “Mir persönlich geht es da nicht um das Siegen”, erklärt David, “ich freu mich einfach, dass ich das geschafft hab, das her zu holen. Das ist mein Sieg, den kann mir keiner wegnehmen.”

David ist sehr bescheiden, obwohl er viel macht und schon viel geschafft hat. Allerdings zieht er schon durch, was er sich in den Kopf setzt. Er ist der Meinung, dass es immer eine Lösung gibt, deswegen sagt er über sich: “Ich mache alles, was ich möchte. Nur halt manchmal anders.”

Du möchtest noch mehr über David erfahren? Dann kannst du dir das vollständige Interview durchlesen oder die weiterführenden Links und Videos anschauen.

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David Völzmann

 

David Völzmann - Der Tischler

David Völzmann
Foto: Jörg Farys | Gesellschaftsbilder.de

David Völzmann ist 18 Jahre alt.

Er wohnt in Otterndorf.

Das ist in der Nähe von der Stadt Cuxhaven.

Er macht eine Ausbildung zum Tischler.

 

In seiner Freizeit spielt er Rollstuhl-Basketball.

Außerdem macht er bei einem Wett-Rennen mit.

 

David bearbeitet mit Schmirgelpapier eine Schublade.

Auch eine einfache Schublade kann ein kleines Kunstwerk sein.
Foto: Jörg Farys | Gesellschaftsbilder.de

In der Werkstatt arbeitet David an einer Kiste.

Es riecht hier nach Holz, Leim und Kunst-Stoff.

Der Vater von David ist auch Hand-Werker.

David hat als Kind oft zugeschaut.

Irgendwann hat er selbst versucht, mit Holz zu arbeiten.

Er hat ein Praktikum gemacht.

Er konnte dabei ausprobieren,

ob er für den Beruf genug Kraft in den Beinen hat.

Es hat ihm gut gefallen.

Er sagt:

Wenn man körperliche Arbeit mag und früh aufstehen mag,

dann kann man den Beruf machen.

 

In der Arbeit hat David keine Probleme.

Er sitzt im Rollstuhl.

Alles ist für ihn erreichbar.

Sein Arbeits-Platz ist auf seiner Höhe.

David und sein Chef unterhalten sich in der Werkstatt.

Davids Chef hört zu, erklärt, macht vor, fördert, korrigiert und lobt.
Foto: Jörg Farys | Gesellschaftsbilder.de

Er versteht sich mit allen gut.

David sagt:

Mein Chef ist nett.

Er zeigt mir neue Sachen.

 

Manchmal ging es David nicht so gut.

Er wusste nicht, ob es klappt, dass er Tischler wird.

Seine Beine taten oft weh.

Er war sich nicht sicher, wie es weiter geht.

Nach einer Operation im Kranken-Haus ging es ihm besser.

Er hatte er keine Schmerzen mehr.

Das war ein schöner Moment.

 

Inklusion_Schulhof_LSAls er 9 Jahre alt war, musste er in der Schule

in den Pausen auf den Rollstuhl umsteigen.

Er hat zu wenig Kraft gehabt, um die ganze Zeit

auf den Beinen zu bleiben.

Für die anderen Schüler war sein Rollstuhl

kein Problem.

David war aber von den Treppen genervt.

Mit dem Rollstuhl kam er da nicht hoch.

Und so schnell Treppen steigen wie die anderen konnte er auch nicht.

 

Als David kleiner war, fielen ihm schon viele Hindernisse auf.

Wo er mit seinem Rollstuhl nicht weiter kam.

Wo wieder irgendwas im Weg war.

Zum Beispiel Möbel.

Die Küchen-Regale waren zu hoch.

Die Türen waren zu schmal.

Oder sie hatten oft eine Schwelle.

Das wollte David ändern!

 

David ist ein ruhiger Mensch.

Es muss viel passieren, damit er schlechte Laune bekommt.

Er ist zufrieden mit seinem Leben.

Er ist zufrieden mit seiner Arbeit, mit seinen Freunden

und mit seinem Sport.

 

David setzt mit dem Basketball zum Wurf auf den Korb an.

David beim Wurf: Er trainiert zwei Mal die Woche im 100 km entfernten Hamburg.
Foto: Jörg Farys | Gesellschaftsbilder.de

Im Jahr 2009 hat David mit dem Rollstuhl-Basketball angefangen.

Im Training sind Menschen mit und ohne Behinderung.

Es spielt keine Rolle, ob man eine Behinderung hat oder nicht.

David sagt:

Wir lachen zusammen.

Wir machen Scherze.

Wir sind fröhlich.

 

Aber natürlich trainieren sie auch viel.

Sehr hart sogar.

Alle wollen besser werden.

Alle sind fleißig.

 

David spielt nicht nur Rollstuhl-Basketball.

Er fährt auch Rennen.

Die Rennen fährt er mit seinem Hand-Bike.

Das ist Englisch und heißt: Hand-Fahrrad.

Es hat Pedale für die Hände.

 

In Otterndorf, wo David wohnt,

ist jedes Jahr ein Wett-Rennen.

David hat die Veranstalter überzeugt, dass auch Menschen

im Rollstuhl mitmachen dürfen.

 

David sagt über das Wett-Rennen:

Mir geht es nicht um den Sieg.

Ich freue mich einfach,

dass ich in meinem Heimat-Ort mitmachen kann.

Das Mitmachen ist schon mein persönlicher Sieg.

Den nimmt mir keiner weg!

 

David hat viel geschafft in seinem Leben.

Trotzdem ist er bescheiden.

 

Er sagt: Für alles, was ich mir in den Kopf setze,

gibt es eine Lösung.

Ich mache alles, was ich möchte.

Nur halt manchmal anders.

 

Willst du noch mehr über David Völzmann wissen?

Dann klicke auf die Internet-Adressen ganz unten bei „Mehr Links zu David Völzmann“.

 


Text in Leichter Sprache

übersetzt von: Judyta Smykowski | Sozialhelden e.V.

Bild: Lebenshilfe für Menschen mit geistiger Behinderung Bremen e.V., Illustrator Stefan Albers, Atelier Fleetinsel, 2013

geprüft von Menschen mit Lern-Schwierigkeiten

www.einfachverstehen.de, Mitglied im Netzwerk Leichte Sprache

Bilder: © Lebenshilfe für Menschen mit geistiger Behinderung Bremen e.V., Illustrator Stefan Albers, Atelier Fleetinsel, 2013

Fotos: © Gesellschaftsbilder.de

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