Was sind die Dinge in deinem Leben, für die du kämpfen willst? Benjamin Piwko kämpft, seitdem er fünf Jahre alt ist. Er ist 35 Jahre alt, wohnt in Hamburg und ist Kampfsportlehrer und Schauspieler. Benjamin unterrichtet Kinder und Erwachsene.

Einatmen. Ausatmen. Die Energie in die Körpermitte lenken, innerliche Aufrichtung schaffen. Den Gürtel noch einmal festziehen. Konzentration. Wache Augen! Der Gegner greift an. Rechts-links-rechts, Schritt zurück, Grundhaltung. Abgewehrt! Einatmen. Ausatmen.

Tipp

Fahre über die unterstrichenen Begriffe, wenn du mehr wissen willst!

Benjamin hat in der Kampfkunst viele Preise gewonnen

Im Büro von Benjamin Piwko stehen viele Preise. Im Jahre 2005 machte er den schwarzen Gürtel. Das ist die höchste Stufe, die man im Kampfsport erreichen kann. Die Prüfung fand mit 18 Großmeistern auf Hawaii statt. Er schloss sie erfolgreich ab. Daher kommt auch seine erste Auszeichnung: „real intelligent warrior“ („sehr intelligenter Kämpfer“).

Danach hat er noch viele andere Preise gewonnen. Fragt man ihn aber nach seiner wichtigsten Auszeichnung, dann zeigt er auf ein eingerahmtes Foto, auf dem er mit seinen Schülerinnen und Schülern abgebildet ist.

In Benjamins Unterricht sind alle gleich

In seiner Heimatstadt Hamburg unterrichtet Benjamin die von ihm entwickelte Kampfkunst „WBT Defence“. WBT ist die Abkürzung für „Wun Boxing Thai Style“ und ist eine Mischung aus vielen Kampfstilen, die er im Laufe der Jahre trainiert hat. Er liebt es, „Sifu“ zu sein und seinen Schülerinnen und Schülern die Kampfkunst beizubringen.

 

Dabei geht es um noch viel mehr als Schnelligkeit und Muskeln: Es geht auch um Selbstvertrauen, innere Stärke und Konzentrationsvermögen. Benjamin macht es deshalb besonders glücklich, wenn er Jugendliche und Erwachsene durch das Kampfsport-Training unterstützen kann, selbstbewusster und sicherer zu werden. Er sagt: „In meinem Unterricht sind alle gleich. Egal, ob gehörlos oder nicht.“

Benjamin wurde als Kind gemobbt

Benjamin kennt aus seiner Kindheit das Gefühl, nicht dazu zu gehören. Auf dem Spielplatz ärgerten ihn andere Kinder und sagten, dass er dumm sei. Einmal griff ihn sogar ein Junge mit einem Taschenmesser an.

Botschaft von Benjamin an sein "jüngeres Ich"

Auf dem Bild links: Was Benjamin Piwko aus heutiger Sicht seinem „jüngeren Ich“ als Rat mit auf den Weg geben würde

Foto: Jörg Farys | Gesellschaftsbilder.de
Grafik: Adina Hermann | Sozialhelden e.V.

Sie waren gemein zu ihm, weil er nicht hörte, was sie sagten und weil er undeutlicher sprach als die anderen. Das liegt daran, dass Benjamin gehörlos ist. Durch eine Krankheit verlor er sein Hörvermögen, als er noch ein Baby war. Und weil er dadurch nicht weiß, wie sich Sprechen anhört, war es für ihn auch sehr schwierig, sprechen zu lernen.

Benjamin kann Worte von den Lippen ablesen

Aber mit viel Übung und sehr hartem Unterricht in einer Schule in der Schweiz ging es. Und weil er außerdem auch lernte, die Worte seiner Mitmenschen durch die Bewegung ihrer Lippen zu lesen, kann sich Benjamin auch mit Leuten unterhalten, ohne dass er hört, was sie sagen. Dabei ist es für ihn wichtig, dass sie langsam, klar und deutlich sprechen, Geduld haben und ihm beim Reden anschauen und sich nicht wegdrehen. Es hilft ihm auch, wenn man im Gespräch zusätzlich Gesten mit den Händen macht.

Für Benjamin ist das aber ziemlich anstrengend, weil er sich immer konzentrieren und ganz genau gucken muss, um nichts zu verpassen. Das Kampfsport-Training ist für ihn „wie eine Kommunikation ohne Worte“ und daher ein guter Ausgleich, bei dem er Kraft, Ausdauer und Reflexe übt und den Kopf ein bisschen entspannen kann.

 

Benjamin ist auch Schauspieler

Mit seinen Freunden schreibt er ganz viel über Facebook, WhatsApp oder SMS. „Das ist für mich dasselbe wie telefonieren“. Benjamins Muttersprache ist aber Gebärdensprache. Dafür benutzt er ganz viele Handzeichen und verändert oft seinen Gesichtsausdruck. Wenn er auf diese Weise redet, dann wirkt es, als ob sein ganzer Körper spricht und man denkt: „Benjamin wäre auch ein guter Schauspieler!“

Das stimmt sogar auch tatsächlich! Im Sommer 2015 hatte er eine Hauptrolle in der Krimireihe „Tatort“ für die Folge „Totenstille“ bekommen, die in Saarbrücken spielte. Nach ein paar Monaten Dreharbeiten wurde der Film dann im Januar 2016 auf ARD ausgestrahlt. Benjamin sagt darin ganz viel auf Gebärdensprache. Er spielt einen gehörlosen Mann, der eine wichtige Situation beobachtet. Und er hat ganz viel Lob und Aufmerksamkeit bekommen, weil er seine Rolle so toll gespielt hat.

Benjamin lässt sich nicht reinreden

Benjamin meint: Egal, was man macht – es ist wichtig, dass man vor allem auf seine innere Stimme hört. Wenn man seinen eigenen Weg gefunden hat, dann können einem andere Leute nicht reinreden oder einen verunsichern.

Du möchtest noch mehr über Benjamin erfahren? Dann kannst du dir das vollständige Interview durchlesen oder die weiterführenden Links und Videos anschauen.

Leichte Sprache

 

Benjamin Piwko

 

Benjamin Piwko ist Lehrer für Kampf-Sport.

Ben meditiert im Garten.

Benjamin Piwko
Foto: Jörg Farys | Gesellschaftsbilder.de

Er ist 35 Jahre alt.

Er wohnt in Hamburg.

Er unterrichtet Kinder und Erwachsene.

Er macht schon lange Kampf-Sport.

Er hat mit 5 Jahren angefangen.

Benjamin hat noch einen anderen Beruf.

Er ist auch Schauspieler.

 

Wenn Benjamin kämpft, dann muss er sich konzentrieren.

Ben zeigt, wie man einen Angriff abwenden kann.

Benjamin zeigt, wie ein gefährlicher Angriff abgewendet werden kann.
Foto: Andi Weiland | Gesellschaftsbilder.de

Er braucht viel Kraft.

Er muss sich verteidigen.

Seinen Atem kontrollieren.

Er muss auch seine Schritte kontrollieren.

 

 

Benjamin hat in der Kampf-Kunst viele Preise gewonnen

Im Jahr 2005 hat er den schwarzen Gürtel bekommen.

Das ist die beste Stufe im Kampf-Sport.

Dafür musste er eine schwierige Prüfung machen.

Die Prüfung lief sehr gut.

Danach hat er viele andere Preise gewonnen.

Benjamin hat schon viele Sport-Arten gemacht.

Er hat sich einen Kampf-Sport selbst ausgedacht.

Seine neue Sport-Art ist eine Mischung aus vielen Sport-Arten.

Er nennt sie: Wun Boxing Thai Style.

 

Kampf-Sport macht den Körper stark.

Ben unterhält sich mit einem Schüler.

Im Unterricht wird mit der Stimme, den Händen und den Augen gesprochen.
Foto: Andi Weiland | Gesellschaftsbilder.de

Und auch das Selbst-Vertrauen.

Benjamin freut sich, wenn seine Schüler

durch den Sport selbstbewusster werden.

 

Benjamin ist gerne Lehrer.

Er sagt: In meinem Unterricht sind alle gleich.

Egal ob sie gehörlos sind oder nicht.

Benjamin hat als Kind nicht deutlich gesprochen.

Deshalb haben ihn andere Kinder geärgert.

Er wurde gemobbt.

Einmal wurde er sogar mit einem Taschen-Messer angegriffen.

 

Benjamin war als Baby krank.

Nach der Krankheit war er gehörlos.

Er weiß nicht mehr, wie es ist, wenn man hören kann.

Er weiß nicht, wie es sich anhört, wenn man spricht.

Deshalb kann er nicht so gut sprechen.

 

Er hat das Sprechen geübt.

Er hatte Unterricht in einer Schule in der Schweiz.

Dadurch kann er schon besser sprechen.

 

Wenn andere Menschen sprechen,

dann schaut Benjamin auf ihre Lippen.

Er kann die Wörter von den Lippen ablesen.

Aber nur, wenn die Leute langsam und deutlich sprechen.

Und wenn die Leute ihn ansehen.

Es hilft Benjamin, wenn man zusätzlich die Hände bewegt.

 

Wenn andere reden, muss sich Benjamin sehr konzentrieren.

Er muss ganz genau auf die Lippen schauen,

damit er alles mitbekommt.

 

Kampf-Sport geht ohne Worte.

Dabei kann er entspannen.

 

Ben schaut auf sein Smartphone.

Mit den Freunden schreibt er über WhatsApp, SMS und Facebook.
Foto: Jörg Farys | Gesellschaftsbilder.de

Benjamin kann nicht telefonieren.

Er schreibt seinen Freunden lieber.

Durch das Internet kann er jederzeit Nachrichten verschicken.

Benjamins erste Sprache ist die Gebärden-Sprache.

Die Sprache besteht aus Hand-Zeichen.

Die Hand-Zeichen sind so etwas wie Wörter.

 

Wenn er mit Hand-Zeichen redet,

dann redet er mit seinem ganzen Körper.

Er macht viele Bewegungen mit dem Gesicht.

Wenn man Benjamin zusieht, dann denkt man:

er ist ein guter Schauspieler.

 

Benjamin hatte eine Haupt-Rolle in der Fernseh-Serie Tatort.

Der Film war im Januar 2016 im Fernsehen.

Benjamin spricht im Film viel mit Hand-Zeichen.

Er hat viel Lob für seine Rolle bekommen.

Er ist ein guter Schauspieler.

Benjamin ist sich sicher: er macht die Sachen in seinem Leben gut.

Keiner darf ihm in sein Leben reinreden.

 

Er sagt:

Wenn man weiß, etwas ist richtig,

dann kann keiner etwas dagegen sagen.

 

Willst du noch mehr über Benjamin Piwko wissen?

Dann klicke auf die Internet-Adressen ganz unten bei „Mehr Links zu Benjamin Piwko“.

 


Text in Leichter Sprache

übersetzt von: Judyta Smykowski | Sozialhelden e.V.

Bild: Lebenshilfe für Menschen mit geistiger Behinderung Bremen e.V., Illustrator Stefan Albers, Atelier Fleetinsel, 2013

geprüft von Menschen mit Lern-Schwierigkeiten

www.einfachverstehen.de, Mitglied im Netzwerk Leichte Sprache

Bilder: © Lebenshilfe für Menschen mit geistiger Behinderung Bremen e.V., Illustrator Stefan Albers, Atelier Fleetinsel, 2013

Fotos: © Gesellschaftsbilder.de

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