Welche Ziele und Wünsche hast du und was kannst du machen, um sie zu erreichen? Pamela Pabst hatte seit ihrer Kindheit den Wunsch, Rechtsanwältin zu werden. Sie ist 38 Jahre alt und wohnt in Berlin. Dort hat sie auch ihre eigene Kanzlei, fährt ins Gericht und besucht ihre Mandanten.

Mit einem lauten „klack-klack” schließt der Beamte die Tür zum Besprechungszimmer im Gefängnistrakt auf. Die Luft ist stickig. Man hört ein lautes Kratzen über den Boden, als ein Stuhl zurückgeschoben wird. Zögernde Schritte, dann ein unsicheres Händeschütteln. Die Hand-Innenfläche des Gegenübers ist rau und ein bisschen feucht.

Tipp

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Pamela und ihre Arbeit als Rechtsanwältin

Krimis kennen die Meisten nur aus dem Fernsehen oder aus Büchern. Pamela Pabst befindet sich mit ihrem Beruf oft mittendrin in einem echten, lebendigen Krimi. Sie ist Strafverteidigerin und vertritt vor Gericht die Rechte der Angeklagten, die beschuldigt werden, eine Straftat begangen zu haben.

 

Meine Mandanten finden es gut, dass ich sie aufgrund meiner Sehbehinderung nicht nach ihrem Äußeren beurteilen kann”, sagt sie. Aus der Stimme könne sie aber auch viel heraushören – allerdings nicht alles: Einige Menschen gehen davon aus, dass ich so eine Art Lügendetektor bin. Das stimmt aber nicht, ich bin sicherlich schon angelogen worden.”

Pamelas Schulzeit auf dem Gymnasium

Die Berlinerin arbeitet in ihrem Traumberuf. Sie wollte Jura studieren und in einem schönen alten Gerichtsgebäude arbeiten, seit sie mit ihrer Mutter zum ersten Mal bei einem Rechtsanwalt war. Wie er sprach, seine Stimme und seine Ausdrucksweise, hatten sie sehr beeindruckt. Um Jura studieren zu können, braucht man Abitur. Dieses Ziel verfolgte sie mit viel Fleiß und Ehrgeiz. Pamela ging auf ein Gymnasium in eine Klasse, in der sie die einzige blinde Schülerin war.

Weil sie ein eingeschränktes Sehvermögen von einem Prozent hat, wurden Texte für sie in Blindenschrift angefertigt. Sie hatte in den naturwissenschaftlichen Fächern zusätzliche Einzelstunden. In Prüfungen bekam sie mehr Zeit, weil sie für das Lesen und Beantworten der Aufgaben länger brauchte. Diese Dinge machten es für sie möglich sehr gut im Lernstoff mitzukommen.

Schlimme Erfahrungen mit Mobbing

Ihre Mitschüler verstanden dies jedoch nicht und behaupteten, die Lehrer würden Pamela bevorzugen und ihr die Lösungen der Aufgaben vorsagen. Die Klassenkameradinnen und Klassenkameraden waren gemein zu ihr, beleidigten sie, taten ihr manchmal sogar weh und schlossen sie aus. Dieses Mobbing war für Pamela eine sehr schlimme Erfahrung. Ihre Eltern unterstützten sie und machten ihr Mut.

Brief von Pamela an ihr "jüngeres Ich"

Auf dem Bild links: Was Pamela Pabst aus heutiger Sicht ihrem „jüngeren Ich“ als Rat mit auf den Weg geben würde

Foto: Jörg Farys | Gesellschaftsbilder.de
Grafik: Adina Hermann | Sozialhelden e.V.

Heute sagt sie, dass es ihr in der Schulzeit sehr geholfen hat, sich immer wieder an ihr Ziel, Rechtsanwältin zu werden, zu erinnern. Das hat ihr Kraft gegeben, um durchzuhalten. Denn eigentlich ging Pamela gern in die Schule. Ihr Lieblingslehrer war der Schuldirektor. Er setzte sich sehr für sie ein und lernte sogar Blindenschrift, um sie noch besser unterrichten zu können.

Pamela denkt im Alltag praktisch

Einen kühlen Kopf muss sie auch in ihrem Beruf als Strafverteidigerin bewahren. Viele Menschen erschreckt der Gedanke, Mandanten im Gefängnis besuchen zu müssen, um mit ihnen zu reden. Aber dazu sagt Pamela: Abends um 10 an der Bushaltestelle habe ich mehr Angst.”

Auch sonst denkt die Rechtsanwältin in ihrem Alltag sehr praktisch. Sie hat kein Problem damit, Hilfe anzunehmen und freut sich auch wenn fremde Menschen ihr Hilfe anbieten. Denn mit Hilfe geht es schneller und leichter, meint sie.

Wie Pamela im Büro arbeitet

Hilfe hat sie auch in ihrer Kanzlei. Ihre Assistentin unterstützt sie beim Lesen und Schreiben von Schriftstücken. Zusätzlich gibt es im Büro viele technische Hilfmittel: Ein Programm auf dem Computer liest ihr eingescannte Texte vor, mit einer Braille-Zeile überprüft sie, ob sie beim Tippen keine Fehler gemacht hat, mit einem Strichcodescanner spricht sie die Namen der Akten ein und speichert sie.

Pamela Pabst macht mit all diesen Dingen in ihrem Büro vieles anders, als die meisten Rechtsanwälte und Rechtsanwältinnen. Es gibt eben viele verschiedene Wege, um zum Ziel zu kommen. Und dabei hat jeder Mensch seine eigenen Hundert Prozent, die er nutzen kann.

Du möchtest noch mehr über Pamela erfahren? Dann kannst du dir das vollständige Interview durchlesen oder die weiterführenden Links und Videos anschauen.

Leichte Sprache

 

Pamela Pabst

Pamela Pabst - Die Rechtsanwältin

Pamela Pabst
Foto: Jörg Farys | Gesellschaftsbilder.de

Pamela Pabst ist Rechts-Anwältin.

Sie ist 38 Jahre alt.

Sie wohnt in Berlin.

 

Sie hat ein eigenes Büro.

Sie ist viel unterwegs in ihrem Job.

Sie ist oft im Gericht.

 

Im Gericht werden Urteile gesprochen.

Bild: Lebenshilfe für Menschen mit geistiger Behinderung Bremen e.V., Illustrator Stefan Albers, Atelier Fleetinsel, 2013

Wenn eine Person etwas falsch gemacht hat,

dann kommt sie vielleicht ins Gefängnis.

 

Krimis kennen die Leute nur aus dem Fernsehen.

Oder aus Büchern.

Pamela kennt echte Krimis.

Als Anwältin kämpft sie dafür,

dass Menschen vor Gericht gerecht behandelt werden.

Die vorher etwas falsch gemacht hatten.

 

 

Pamela ist blind schon von Geburt an.

Sie kann nur ein ganz kleines bisschen sehen.

Sie weiß nicht, wie ihre Kunden aussehen.

Sie kann nur die Stimme von den Menschen hören.

Sie kann aber nicht mit Sicherheit sagen,

ob die Menschen lügen.

 

 

Als Pamela ein Kind war,Anwalt_LS

da war sie einmal mit ihrer Mutter bei einem Anwalt.

Der hatte eine schöne Stimme.

Und benutzte gute Wörter.

Dann wollte Pamela auch Anwältin werden.

 

Bild: Lebenshilfe für Menschen mit geistiger Behinderung Bremen e.V., Illustrator Stefan Albers, Atelier Fleetinsel, 2013

Pamela war in der Schule das einzige blinde Mädchen.

Sie schaffte das Abitur.

Denn wenn man Anwältin werden will,

dann muss man an einer Universität studieren.

Dafür braucht man das Abitur.
In der Schule wurden die Texte in Blinden-Schrift

für sie gedruckt.

Blindenschrift_LSSie hat für Texte und Aufgaben mehr Zeit gebraucht.

In manchen Fächern hat sie mehr Zeit als ihre Mit-Schüler bekommen.

Zum Beispiel in Mathe oder Biologie.

Ihr Lieblings-Lehrer war der Schul-Leiter.

Er hat ihr immer geholfen.

Er hat die Blinden-Schrift für sie gelernt,

damit er sie besser unterrichten kann.

 

Inklusion_Schulhof_LSIhre Mitschüler fanden das ungerecht.

Sie haben gesagt: Pamela wird besser behandelt.
Sie haben auch gesagt:

Die Lehrer sagen ihr die Lösungen

von den Aufgaben.

Die Mitschüler haben sie schlecht behandelt.

Sie waren gemein zu ihr.

Sie taten ihr weh.

Eltern_Kind_LSSie waren nicht mit ihr befreundet.
Pamela war sehr traurig darüber.

Ihre Eltern machten ihr wieder Mut.

 

Heute sagt sie:

Ich habe in der Schule

immer an ein Ziel gedacht:

Das Abitur zu schaffen.

Egal wie gemein die anderen Kinder waren.

Ich wollte Anwältin werden.

Das war das Wichtigste.

Pamela Pabst ist die erste blinde Rechts-Anwältin für Straf-Recht

in Deutschland.

Die blind geboren ist.

 

Nachts_LS

Bild: Lebenshilfe für Menschen mit geistiger Behinderung Bremen e.V., Illustrator Stefan Albers, Atelier Fleetinsel, 2013

Pamela hat in ihrem Beruf keine Angst.

Sie hat keine Angst vor bösen Menschen.

Sie hat eher Angst abends alleine,

wenn sie auf den Bus wartet.

 

Pamela lässt sich gerne helfen,

wenn sie nicht weiter weiß.

Denn mit Hilfe geht es schneller.

Meint sie.

 

Internet_LSAuch in ihrem Büro hat sie eine Assistentin.

Die hilft ihr zum Beispiel beim Lesen und Schreiben.

In ihrem Büro gibt es viele andere Hilfen.

Zum Beispiel:

Ein Computer-Programm mit einer automatischen Stimme.

Das Programm liest Texte vor.

 

Pamela macht in ihrem Leben vieles anders.

Jeder lebt sein Leben anders.

Das ist in Ordnung.

 

Willst du noch mehr über Pamela Pabst wissen?

Dann klicke auf die Internet-Adressen ganz unten bei „Mehr Links zu Pamela Pabst“.

 


Text in Leichter Sprache

Bild: Lebenshilfe für Menschen mit geistiger Behinderung Bremen e.V., Illustrator Stefan Albers, Atelier Fleetinsel, 2013

übersetzt von: Judyta Smykowski | Sozialhelden e.V.

geprüft von Menschen mit Lern-Schwierigkeiten

www.einfachverstehen.de, Mitglied im Netzwerk Leichte Sprache

Bilder: © Lebenshilfe für Menschen mit geistiger Behinderung Bremen e.V., Illustrator Stefan Albers, Atelier Fleetinsel, 2013

Fotos: © Gesellschaftsbilder.de

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Audio

Pamela über ihre Einstellung, fremde Hilfe anzunehmen